Zum Hauptinhalt springen
‌‌‌‌
‌

Die Architektur des „The Shard“ | Renzo Pianos Entwurf für einen Glas-Wolkenkratzer

Die Architektur des „Shard“ vereint Renzo Pianos Vision mit modernster Bautechnik und schafft so einen 306 Meter hohen Glasturm, der von Licht, Bewegung, Verkehr und der Skyline Londons geprägt ist.

Die Architektur des „The Shard“ auf einen Blick

  • Offizieller Name: The Shard
  • Typ: Gemischt genutzter Wolkenkratzer und vertikale Stadt
  • Ort: London Bridge, London
  • Höhe: 306 Meter
  • Stockwerke: 95
  • Höchste bewohnbare Etage: Stufe 72
  • Architekt: Renzo Piano Building Workshop
  • Bauingenieur: WSP
  • Entwickler: Sellar-Immobilie
  • Abgeschlossen: 2012
  • Architektonisches Konzept: Ein schlanker, spitzenartiger Glasturm, der aus acht schräg verlaufenden Fassaden besteht
  • Hauptmaterial: Extraweißes Glas, Stahl und Beton
  • Glasplatten: Rund 11.000
  • Hauptanwendungsbereiche: Büros, Restaurants, Hotel, Wohnungen und öffentliche Aussichtsplattform

Architektonischer Stil und Einflüsse bei „The Shard“

Zeitgenössisches Hochhausdesign

„The Shard“ ist ein moderner Wolkenkratzer, der sich durch minimalistische Geometrie, Glas und Stahl auszeichnet. Seine skulpturale Form ersetzt den herkömmlichen rechteckigen Turm mit sich verjüngenden Fassaden und schafft so eine leichtere, fragmentiertere Silhouette.

Inspiriert von der Skyline Londons

Renzo Piano ließ sich von den Kirchtürmen Londons und den Schiffsmasten inspirieren, die auf Canalettos Gemälden der Themse zu sehen sind. Er setzte deren ausgeprägte Vertikalität in einen modernen Turm um, anstatt deren Formen direkt nachzubilden.

Acht Glasscherben

Acht schräg verlaufende Glasfassaden prägen das charakteristische Erscheinungsbild von „The Shard“ und gliedern dessen enorme Größe in sich verjüngende Abschnitte auf. Ihre reflektierenden Oberflächen reagieren im Laufe des Tages auf das wechselnde Tageslicht, das Wetter und die Aussicht auf die Umgebung.

Eine vertikale Stadt

Die Architektur spiegelt zudem das Konzept der „vertikalen Stadt“ von The Shard wider. Büros, Restaurants, ein Hotel, Wohnungen und Aussichtsbereiche erstrecken sich über verschiedene Ebenen, wobei sich die größeren Grundflächen im unteren Bereich mit zunehmender Höhe des Turms allmählich verjüngen.

Warum sieht „The Shard“ wie eine Scherbe aus?

  • Schlanke Silhouette: Die sich verjüngende Form sorgt für ein schlankeres, eleganteres Profil und vermeidet so die für herkömmliche Wolkenkratzer typische wuchtige Optik.
  • Acht Fassaden: Acht kantige Glasfassaden verleihen dem Gebäude ein fragmentiertes, splitterartiges Erscheinungsbild, während sich ihre reflektierenden Oberflächen im Wechsel des Lichts in London wandeln.
  • Vertikale Brüche: Die als „Frakturen“ bezeichneten Lücken zwischen den Fassaden sind mit Lüftungsöffnungen versehen, die für eine natürliche Belüftung der Wintergärten des Gebäudes sorgen.
  • In den Himmel ragender Gipfel: Die mit Glas verkleidete Stahlspitze setzt den Aufwärtstrend von „The Shard“ fort und bildet anstelle eines herkömmlichen Flachdachs einen turmspitzenartigen Abschluss.
  • Inspiration aus London: Renzo Piano ließ sich von den Kirchtürmen Londons und den Masten der auf der Themse fahrenden Schiffe inspirieren.
  • Ursprüngliches Konzept: Pianos Skizze aus dem Jahr 2000, die während eines Treffens mit Irvine Sellar in Berlin entstand, ähnelte bereits stark dem späteren Entwurf des „The Shard“.
  • Zweckmäßige Form: Die Form lässt „The Shard“ leichter erscheinen, fügt sich harmonisch in die Umgebung ein und ermöglicht unterschiedliche Nutzungen, da sich die Etagen nach oben hin allmählich verjüngen.

Architektonische Höhepunkte von „The Shard“

Placeholder Image Headout Blimp
1/6

Die acht Glasscherben

Acht schräg verlaufende Fassaden prägen die charakteristische Silhouette von „The Shard“. Ihre schrägen Flächen gliedern den Turm optisch in einzelne Abschnitte und spiegeln zugleich den wechselnden Himmel und das Licht Londons wider.

Die Glasfassade

Rund 11.000 Glasscheiben verkleiden die Außenfassade und verleihen dem Turm sein unverwechselbares transparentes Erscheinungsbild. Das extraweiße Glas wurde ausgewählt, um Pianos Vorstellung von Leichtigkeit und Transparenz zu unterstreichen.

Die Brüche

Die Lücken zwischen den verglasten Fassaden erzeugen vertikale „Brüche“ im Gebäude. Einige verfügen über zu öffnende Lüftungsklappen, die die natürliche Belüftung in Wintergärten unterstützen.

Die Stahlspitze

Die Spitze von „The Shard“ besteht aus einer mit Glasscherben verkleideten, stahlgerahmten Spitze. Durch seine bewusst unfertig wirkende Spitze scheint sich der Turm in den Himmel zu verjüngen.

Das sich verjüngende Profil

Der „Shard“ verjüngt sich nach oben hin zunehmend. Dies verleiht dem Gebäude seine unverwechselbare Silhouette und passt zugleich zu den unterschiedlichen Nutzungsarten im Inneren, von den großen Büroetagen im unteren Bereich bis hin zu den kleineren Wohn- und Aussichtsräumen im oberen Bereich.

Die vertikale Stadt

Die Architektur vereint mehrere Funktionen in einem einzigen Turm: Büros, Restaurants, ein Hotel, Wohnungen und eine öffentliche Aussichtsplattform. Das Gebäude fungiert daher eher als kompaktes vertikales Wohnviertel denn als Hochhaus mit einheitlicher Nutzung.

Wer hat „The Shard“ entworfen?

Renzo Piano

Renzo Piano hat über sein Architekturbüro „Renzo Piano Building Workshop“ den „The Shard“ entworfen. Der italienische Architekt ist bekannt für Gebäude, die starke architektonische Konzepte mit einem ausgeprägten Gespür für Licht, Materialien und das Zusammenspiel der Bauwerke mit ihrer Umgebung verbinden.

Bei „The Shard“ wollte Piano die optische Schwere vermeiden, die traditionell mit hohen Gebäuden assoziiert wird. Sein Entwurf sah eine schlanke, transparente Konstruktion vor, die sich wie eine moderne Turmspitze über London erheben sollte. Er ließ sich von den Kirchtürmen der Stadt und den Masten der Schiffe auf der Themse inspirieren.

Irvine Sellar

Der Entwickler Irvine Sellar spielte eine zentrale Rolle bei der Gestaltung des Projekts. Seine Vision war es, neben dem Bahnhof London Bridge eine „vertikale Stadt“ mit gemischter Nutzung zu schaffen, in der Büros, Wohnungen, Gastgewerbe, Restaurants und öffentliche Räume in einem einzigen Turm vereint werden sollten.

WSP

Während Piano das architektonische Konzept entwarf, fungierte WSP als Statiker und arbeitete mit dem Architekten, dem Bauträger und dem Bauunternehmen Mace zusammen, um den schlanken Entwurf in einen baubaren Turm umzusetzen. Zu den ingenieurtechnischen Leistungen zählten die ungewöhnliche Bauabfolge des Gebäudes, die Tragwerkssysteme sowie die vorgefertigte Stahlspitze.

Bauphasen des „The Shard“

1998–2000: Die Idee nimmt Gestalt an

Irvine Sellar erwarb das bestehende Southwark-Towers-Grundstück im Jahr 1998 und begann, die Idee für ein großes Hochhaus mit hoher Bebauungsdichte neben dem Bahnhof London Bridge zu entwickeln. Im Jahr 2000 traf Sellar in Berlin Renzo Piano. Während ihres Treffens entwarf Piano das Konzept, das später die Grundlage für „The Shard“ bilden sollte.

2000–2008: Planung und Finanzierung

Das Projekt durchlief einen langwierigen Planungsprozess und ein öffentliches Anhörungsverfahren. Die weltweite Finanzkrise sorgte daraufhin für weitere Unsicherheit, bis Katar im Jahr 2008 als Projektpartner einstieg und damit dazu beitrug, die Zukunft des Vorhabens zu sichern.

2009: Baubeginn

Die Bauarbeiten begannen im Jahr 2009. Der Bau eines 306 Meter hohen Turms neben einem großen Bahnhof stellte erhebliche logistische und bautechnische Herausforderungen dar, insbesondere aufgrund der beengten Platzverhältnisse im städtischen Umfeld.

2010–2011: Der Turm entsteht

Eine der wichtigsten technischen Innovationen des Projekts war die Bauweise von oben nach unten. Dank dieser Technik konnten der Betonkern und die oberen Teile des Gebäudes in die Höhe wachsen, während darunter die Aushubarbeiten fortgesetzt wurden. WSP bezeichnet dies als eine weltweit einzigartige Anwendung, durch die etwa vier Monate des Bauzeitplans eingespart werden konnten.

2012: Der Gipfel ist erklommen

Der Turm erreichte seine volle Höhe im Jahr 2012. Die 500 Tonnen schwere und 66 Meter hohe Stahlspitze wurde vorgefertigt und montiert, bevor sie an der Spitze angebracht wurde, wodurch die Risiken von Arbeiten in extremer Höhe verringert wurden.

Ab 2013: Das Gebäude wird für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht

„The View from The Shard“ wurde im Februar 2013 eröffnet und ermöglichte der Öffentlichkeit den Zugang zu den oberen Etagen des Turms. Das Gebäude beherbergte in der Folge Büros, Restaurants, das Shangri-La-Hotel sowie Wohnräume neben der Aussichtsplattform.

Die Bauweise des „The Shard“

  • Drei Systeme: Beim „The Shard“ kommen drei Tragwerkssysteme zum Einsatz: ein Stahlrahmen im unteren Bereich, vorgespannter Beton im mittleren Bereich und eine Stahlspitze im oberen Bereich.
  • Bewegungssteuerung: Der Betonkern trägt dazu bei, die durch starke Winde verursachten Bewegungen und Querbeschleunigungen zu begrenzen, wodurch der Einbau eines separaten Massendämpfers entfällt.
  • Turmhöhe: Der Turm erreicht eine Höhe von 306 Metern und umfasst 95 Stockwerke, wobei die 72. Etage die höchste bewohnbare Etage darstellt, bevor sich die Stahlspitze weiter nach oben erstreckt.
  • Stahlspitze: Die Stahlspitze ragt über die bewohnten Stockwerke hinaus, wodurch die sich verjüngende Silhouette von „The Shard“ erhalten bleibt und sich sein unverwechselbares, offenes Erscheinungsbild vor der Skyline Londons abhebt.
  • Hochgeschwindigkeitsaufzüge: Das „The Shard“ verfügt über 44 Aufzüge, darunter auch Doppeldecker-Modelle, von denen einige mit einer Geschwindigkeit von bis zu 6 Metern pro Sekunde fahren.

Die Fassade von „The Shard“

Acht schräg verlaufende Fassaden

Der „Shard“ ist nicht mit einer herkömmlichen rechteckigen Vorhangfassade, sondern mit acht schräg stehenden Glasfassaden verkleidet, wodurch seine markante, sich verjüngende Silhouette entsteht.

Lichtdurchflutetes Glas

Das extraweiße Glas verleiht dem „The Shard“ ein helleres, transparenteres Erscheinungsbild, da es den Himmel und die umliegenden Gebäude widerspiegelt, anstatt eine undurchsichtige Fassade zu bilden.

Funktionsfrakturen

Die Zwischenräume zwischen den Fassaden verleihen „The Shard“ seine charakteristischen Brüche und ermöglichen gleichzeitig eine natürliche Belüftung der Wintergärten im Inneren des Gebäudes.

Ein verschwindender Gipfel

An der Spitze ragt ein glasüberdachter Stahlturm über die genutzten Stockwerke empor und verschmilzt allmählich mit der Skyline, anstatt in einem massiven Dach zu enden.

Die Innenarchitektur von „The Shard“

Im Inneren ist die Architektur des „The Shard“ von seinem Konzept der vertikalen Stadt geprägt. Verschiedene Funktionen sind in unterschiedlichen Bereichen des Turms untergebracht, wobei sich das Gebäude nach oben hin zunehmend verjüngt.

Büros: Etagen 4–28

Der untere Turm verfügt über große Geschossflächen, die in erster Linie für Büronutzung vorgesehen sind. Diese großzügigeren Räumlichkeiten profitieren von der Lage des Gebäudes neben dem Bahnhof London Bridge und dessen direkten Anbindungen an das Zentrum Londons.

Restaurants: Level 31–33

Drei Etagen sind für Restaurants und Bars vorgesehen. Ihre Lage bildet einen Übergang zwischen den darunter liegenden größeren Gewerbeflächen und dem darüber liegenden Hotel, den Wohnräumen sowie den Aussichtsbereichen.

Shangri-La Hotel: Etagen 34–52

Das Hotel erstreckt sich über den mittleren Teil des Turms. Da sich das Gebäude nach oben hin verjüngt, weisen die Räume individuell geformte Grundrisse auf und nicht identische rechteckige Grundrisse. WSP weist darauf hin, dass aufgrund der pyramidenartigen Form kein einziges Gästezimmer genau wie das andere ist.

Wohnungen: Etagen 53–65

Im sich verjüngenden oberen Teil befinden sich Wohnwohnungen, in denen die schmalen Grundrisse Ausblicke in verschiedene Richtungen ermöglichen. Die ungewöhnliche Geometrie führt zudem dazu, dass sich die Raumaufteilung direkt an die sich verjüngende Form des Gebäudes anpasst.

Der Ausblick vom „The Shard“: Etagen 68–72

Die öffentliche Aussichtsplattform erstreckt sich über die oberen Etagen und verfügt über Aussichtsbereiche in den Etagen 68, 69 und 72. Die Ebene 72 ist teilweise offen gestaltet, sodass die Besucher einen direkten Eindruck von der Höhe und der sie umgebenden Architektur gewinnen können.

Wie „The Shard“ Nachhaltigkeit in seiner Gestaltung umsetzt

Die Architektur des „Shard“ umfasst zudem mehrere Maßnahmen, die darauf abzielen, seine Auswirkungen auf die Umwelt zu verringern.

Die doppelschalige Fassade wurde mit einer natürlichen Belüftung und innenliegenden Jalousien konzipiert, die automatisch auf Veränderungen der Lichtverhältnisse reagieren und so dazu beitragen, die Sonneneinstrahlung und das Tageslicht zu regulieren.

Bei den Bauarbeiten wurden zudem mehr als 20 % recycelter Stahl verwendet, während 95 % der Bauabfälle recycelt wurden. Nach Angaben von „The Shard“ wird das Gebäude derzeit zu 100 % mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt.

Diese Merkmale sind wichtig, da es bei der Architektur von „The Shard“ nicht ausschließlich um das äußere Erscheinungsbild geht. Sowohl die Fassade als auch das Tragwerksystem und die Innenraumaufteilung mussten praktische Funktionen erfüllen und gleichzeitig Pianos ursprüngliches gestalterisches Konzept bewahren.

Häufig gestellte Fragen zur Architektur des „The Shard“

Der italienische Architekt Renzo Piano hat über sein Architekturbüro „Renzo Piano Building Workshop“ den „The Shard“ entworfen. Er entwickelte das Konzept gemeinsam mit dem Bauunternehmer Irvine Sellar und ließ sich dabei von den Kirchtürmen Londons und den Masten der Schiffe auf der Themse inspirieren.